Österreichischer Cartellverband

 12.631 views

Der Cartellverband (CV) ist der Dachverband der katholischen nicht-schlagenden Studentenverbindungen. Während Schlagende deutschnational und FPÖ-nahe sind, ist der Cartellverband ÖVP-nahe. Beiden gemein ist, dass es sich um elitäre Männerbünde handelt, die streng hierarchisch sind und nicht nach demokratischen Prinzipien funktionieren. Das Gegenteil wird zwar behauptet, aber allein die klare Dreiteilung der Mitgliederschaft zeigt das Gegenteil. Die aktiven Mitglieder werden in Füxe/Füchse und Burschen unterteilt, wobei erstere rechtlose Mitglieder auf Probe sind und hierarchisch klar unter letzteren stehen. Die alten Herren sind jene Mitglieder, die nicht mehr studieren, aber im Berufsleben stehend einen besonders großen Einfluss ausüben.

cv-kandidaten

Die Prinzipien des CV

Die Prinzipien des CV sind „patria“, „scientia“, „amicitia“ und „religio“, also Vaterland, Wissenschaft, Lebensfreundschaft und Religion. Vaterland bedeutet Patriotismus, der oft Hand in Hand mit einem Österreich-Chauvinismus auftritt und der reaktionären Grundhaltung entsprechend regelmäßig in Monarchie- und Austrofaschismus-Verklärung und damit in Geschichtsklitterung mündet. Wissenschaft ist selbsterklärend – im CV kann nur Mitglied sein, wer studiert. Amicitia weist auf den Lebensbund hin, den alle CV-Mitglieder eingehen. Was so schön poetisch daherkommt, ist nichts anderes als ein Karrierenetzwerk: Die alten Herren hieven die jungen Mitglieder in entsprechende Positionen. Besonders in der Verwaltung gibt es hohe Beamtenpositionen, deren einzige Qualifikationsbedingung die Mitgliedschaft bei einer CV-Verbindung ist. Frauen und nicht katholische Menschen werden so systematisch von diesen Positionen ausgeschlossen. Es hilft auch, wenn Richter und Staatsanwälte in derselben Verbindung wie potentielle Angeklagte sind. Der CV ist vor allem ein Karrierenetzwerk, das sich durch Freunderlwirtschaft und Klüngel selbst rechtfertigt. Überall dort, wo in der Berufswelt mehr als ein CV’er amtiert, existiert ein „Berufszirkel“, in dem sich die „Cartellbrüder“ – wie sie sich selbst beschreiben – regelmäßig treffen, Stellen vermitteln und im Klandestinen, hinter dem Rücken der KollegInnenschaft, netzwerken. Nicht umsonst ist die höchste Auszeichnung um Verdienste um den CV (ein besonders breites rot-weiss-rotes Band, das „Wollek-Band“) nach dem Schöpfer der „CV Berufsförderung“ Wollek benannt, also nach dem oberstem christlichsozialen bzw. austrofaschistischen Postenschacherer der 1930er Jahre. Religio heißt beinharter katholischer Fundamentalismus. In Sachen Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch, Frauengleichstellung usw. sind die Positionen einzementiert. Kontrolliert wird die „richtige“ katholische Einstellung durch den jeweiligen „Verbindungsseelsorger“, den jede CV-Verbindung nachweisen muss.

Austrofaschismus-Verherrlichung

Der katholische Fundamentalismus des CV äußert sich vor allem in einer ungebrochenen Bewunderung für den austrofaschistischen Diktator Engelbert Dollfuß und seine Verbündeten wie Mussolini oder Horthy. Nach wie vor werden die Mären vom „ersten Opfer“ und des Austrofaschismus als „Widerstandsbewegung“ gepflegt und gehegt. Eine vermeintliche Gegnerschaft zum Nationalsozialismus reicht in dieser Logik, um historisch auf der demokratischen Seite zu stehen. Dabei hat der Austrofaschismus bis zum bitteren Ende den Ausgleich mit dem NS gesucht, während er jeglichen demokratischen Widerstand zerschlug und Antisemitismus, Frauenverachtung, Rassismus und Hass auf arbeitende Menschen den Weg bereitete. Unter der schwarz-blauen Regierung gab es sogar einen offiziellen Gedenkgottesdienst für den Diktator Dollfuß im Bundeskanzleramt. Der CV war eine der wichtigsten Institutionen des Austrofaschismus, viele wichtige Mitglieder saßen in entsprechenden Positionen und im Februar 1934, als die Demokratie zerschlagen wurde, bestand das gesamte Kabinett des Kanzlers, CV’ers und UND Diktators Dollfuß aus Loyalitätsgründen ausschließlich aus CV’ern.

CV und ÖVP

Dazu passt, dass auch die ÖVP ein höchst zweifelhaftes Verhältnis zur eigenen austrofaschistischen Vergangenheit hat. So ist Michael Spindelegger Mitglied der „katholischen akademischen Verbindung Norica zu Wien“ und trägt dort den Spitznamen („Couleurname“) „Cato“. Die Antisemiten Karl Lueger und Leopold Kunschak sind Ehrenmitglieder dieser Verbindung. ÖVP-Generalsekretär Johannes Rauch ist Mitglied der A.V. Austria Innsbruck, in dieser Verbindung waren schon der austrofaschistische Diktatator und Nazi-Paktierer Kurt Schuschnigg und Heimwehrkommandant Richard Steidle. Dollfuß ist in so gut wie allen CV-Verbindungen Ehrenmitglied, was zeigt, wie tief das faschistische Selbstverständnis reicht. Weitere ÖVP-Mitglieder, die beim CV sind: Nikolaus Berlakovich (Austro Peisonia), Wolfgang Blenk (A.V. Austria Innsbruck), Leopold Figl (auch wichtiger Funktionär der austrofaschistischen Vaterländischen Front; K.a.V. Norica Wien et mult.), Alfons Gorbach (K.Ö.H.V. Carolina Graz), Heinrich Gleißner (K.a.V. Saxo-Bavaria Prag in Wien), Bernhard Görg (K.Ö.St.V. Austria-Wien), Othmar Karas (K.Ö.H.V. Sängerschaft Waltharia Wien), Andreas Khol (A.V. Raeto-Bavaria Innsbruck), Josef Klaus (K.Ö.St.V. Rudolfina Wien et mult.), Thomas Klestil (K.a.V. Bajuvaria Wien), Franz Korinek (K.a.V. Bajuvaria Wien), Helmut Kukacka (K.a.V. Austro-Danubia Linz), Robert Lichal (Ö.k.a.V. Rhaeto-Danubia Wien), Alfred Maleta (K.Ö.H.V. Carolina Graz), Peter Marboe (K.a.V. Bajuvaria Wien), Reinhold Mitterlehner (K.a.V. Austro-Danubia Linz), Alois Mock (K.a.V. Norica Wien et mult.), Heinrich Neisser (K.Ö.St.V. Rudolfina Wien), Johannes Prochaska (K.a.V. Saxo-Bavaria Prag in Wien), Julius Raab (auch ehemaliger Funktionär der austrofaschistischen Vaterländischen Front und Heimwehrmann, der den berüchtigten faschistischen „Korneuburger Eid“ schwor; Norica Wien et mult.), Wolfgang Rümmele (K.Ö.H.V Babenberg Wien), Herbert Schambeck (K.Ö.St.V. Rudolfina Wien), Franz Schausberger (K.Ö.H.V. Rupertina), Herwig van Staa (K.Ö.H.V. Leopoldina), Josef Taus (K.a.V. Bajuvaria Wien), Karlheinz Töchterle (Sternkorona Hall), Wolfgang Waldner (Norica), Wendelin Weingartner (A.V. Raeto-Bavaria Innsbruck), Thomas Winsauer (A.V. Raeto-Bavaria Innsbruck).

Posted in: