Raiffeisens Medienmacht und Inseratenmacht

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Medienmacht-Raiffeisen

Die Infografik zeigt die konzentrierte Medienmacht des Raiffeisen-Sektors, die Informationen entstammen mehrheitlich der Homepage des Konzerns selbst bzw. der Broschüre „Ein starker Partner für den Kurier“.

Aber nicht nur über direkten Besitz hat die Raiffeisen-Gruppe Einfluss auf zahlreiche österreichische Medien. Wenn man bedenkt, dass auch die nicht im Raika-Besitz befindlichen Zeitungen und Magazine vor allem von den Inseraten und kaum von den verkauften Auflagen leben, lässt sich auch erahnen, warum es in Österreich nur die Straßenzeitung „Augustin“ wagte, eine vielteilige Serie über das „System Raiffeisen“ abzudrucken: „Die Raiffeisen-Gruppe

Denn die Raiffeisen kontrolliert zwar nicht alle Medien direkt, jedoch setzt das Raiffeisen-Imperium mit all seinen Sub-Unternehmen und Beteiligungen seine Inseratenmacht sehr zielstrebig ein, wie Medienwissenschafter kritisieren.

Aber genau darüber, über Raiffeisens Medienmacht und Inseratenmacht, wird in den österreichischen Medien geschwiegen. Der Wiener Universitätsprofessor für Medien- und Kommunikationspolitik Fritz Hausjell sagt: „Zumindest eigentümlich ist aber die vergleichsweise sehr seltene mediale Thematisierung von Raiffeisen. Das sollte dem heimischen Journalismus zu denken geben.“

Profitiert auch die ÖVP aus dieser Situation?

Die ÖVP ist personell und teilweise auch wirtschaftlich eng verflochten mit Raiffeisen. Das beginnt mit Sponsoring von Landjugend-Festen und endet bei den nun aufgetauchten Vorwürfen von Schwarzgeldzahlungen an die Volkspartei.

In der Sommerdiskussion des Jahres 2013, Thema „Bienensterben“, schien es beinahe so, dass Raiffeisen/Lagerhaus als Vertreiber der umstrittenen Pestizide den Umweltminister Berlakovich für sich instrumentalisieren konnte, zu Ungunsten der ÖVP.

Und nicht wenige politische Beobachter konstatieren, dass vor anstehenden Wahlen manche österreichische Tageszeitungen auffällige ÖVP-Freundlichkeit und damit einhergehend eine stärkere Ablehnung vor allem der SPÖ entwickeln.

Druck auf die Medien

Erinnert sei an dieser Stelle an den Rücktritt des „Presse“-Chefredakteurs Michael Maier – drei Wochen vor der von Wolfgang Schüssel vom Zaun gebrochenen Nationalratswahl 1995. Maier veröffentlichte damals einen Artikel, in dem er aussprach, was Sache war: Der ÖVP-Obmann Schüssel verlangte von der Presse ÖVP-freundliche Berichterstattung vor der Wahl. Maier wollte dem Ruf aus der Parteizentrale nicht folgen und wurde daraufhin vom linientreuen Konservativen Andreas Unterberger ersetzt.

Wenn der persönliche Kontakt nicht ausreicht, wird der finanzielle Hebel angesetzt. Im Herbst 2013 kündigte die ÖVP der Zeitschrift „News“ die Inseraten-Verträge, nachdem das Magazin die illegale Parteispenden-Affäre dokumentierte.

Man könnte jetzt noch seitenlang die Verbindungen zwischen ÖVP-Raiffeisen und Medien in Kirchenbesitz analysieren, dazu aber nur ein einziges Beispiel:

Chef der Styria Media Group ist Markus Mair, der zuvor Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark war. Die Styria Media Group besitzt unter anderem folgende Printprodukte:

  • Die Presse
  • Kleine Zeitung
  • WirtschaftsBlatt
  • Die Furche
  • der Grazer
  • Kärntner Regional Medien
  • Murtaler Zeitung
  • Privatmarkt
  • u.v.m.
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